Vorsorge beginnt nicht mit Angst
Die meisten Tage unseres Lebens verlaufen völlig normal. Wir stehen morgens auf, gehen zur Arbeit, bringen die Kinder zur Schule, kaufen ein und verbringen den Abend zu Hause. Strom kommt aus der Steckdose, Wasser aus dem Wasserhahn und Lebensmittel können wir beinahe jederzeit kaufen. Vieles davon ist für uns so selbstverständlich geworden, dass wir kaum darüber nachdenken.
Und das ist auch gut so.
Niemand sollte seinen Alltag damit verbringen, ständig über mögliche Krisen oder Notfälle nachzudenken. Trotzdem kann es Situationen geben, in denen Dinge, auf die wir uns normalerweise verlassen, plötzlich nicht mehr oder nur eingeschränkt funktionieren.
Ein Stromausfall kann länger dauern als erwartet. Ein Unwetter kann Straßen unpassierbar machen. Starkregen kann innerhalb kurzer Zeit Keller und Straßen überfluten. Eine Erkrankung kann dazu führen, dass wir einige Tage das Haus nicht verlassen können. Vielleicht muss ein Gebäude wegen eines Brandes oder eines anderen Ereignisses kurzfristig geräumt werden. Auch technische Störungen können dazu führen, dass Mobilfunk, Internet oder elektronische Zahlungsmöglichkeiten zeitweise nicht zur Verfügung stehen.
Nicht jedes dieser Ereignisse ist eine Katastrophe.
Aber jedes kann unseren gewohnten Alltag plötzlich verändern.
Genau hier beginnt Notfallvorsorge.
Was Vorsorge eigentlich bedeutet
Notfallvorsorge bedeutet zunächst einmal, sich eine einfache Frage zu stellen:
Was würde ich tun, wenn etwas, das für mich selbstverständlich ist, plötzlich für eine gewisse Zeit nicht mehr funktioniert?
Was geschieht, wenn ich nicht einkaufen kann? Habe ich ausreichend Lebensmittel zu Hause?
Was mache ich, wenn die Wasserversorgung unterbrochen wird?
Wie erhalte ich Informationen, wenn Internet und Mobilfunk ausfallen?
Wie komme ich zurecht, wenn ich meine Wohnung kurzfristig verlassen muss?
Und wie verändert sich die Situation, wenn Kinder, ältere Angehörige, Haustiere oder Menschen mit besonderen Bedürfnissen zu meinem Haushalt gehören?
Allein diese Fragen zeigen bereits, dass Notfallvorsorge sehr individuell ist.
Ein allein lebender junger Mensch in einer Stadt hat andere Bedürfnisse als eine fünfköpfige Familie auf dem Land. Ein Mensch, der regelmäßig Medikamente benötigt, muss andere Dinge berücksichtigen als jemand, der darauf nicht angewiesen ist. Wer einen Hund oder eine Katze hat, trägt auch für das Tier Verantwortung. Und wer ältere Angehörige unterstützt, sollte überlegen, was diese Menschen benötigen, wenn gewohnte Hilfsstrukturen einmal nicht verfügbar sind.
Deshalb gibt es aus unserer Sicht auch nicht die eine perfekte Vorsorgeliste, die für jeden Menschen gleichermaßen geeignet ist.
Empfehlungen und Checklisten können eine wertvolle Orientierung sein. Gute Vorsorge beginnt jedoch mit der eigenen Lebenssituation.
Es geht nicht darum, auf alles vorbereitet zu sein
Wer beginnt, sich mit Notfallvorsorge zu beschäftigen, stößt schnell auf eine beinahe unüberschaubare Zahl möglicher Szenarien.
Blackout. Hochwasser. Unwetter. Versorgungsengpässe. Evakuierung. Extremwetter. Ausfall von Kommunikationsnetzen.
Man könnte versuchen, für jedes denkbare Ereignis einen eigenen Plan zu entwickeln. Irgendwann würde Vorsorge dann jedoch selbst zu einer Belastung.
Das ist nicht unser Verständnis davon.
Viele Notfälle haben nämlich etwas gemeinsam: Gewohnte Möglichkeiten stehen plötzlich nicht mehr zur Verfügung.
Wer beispielsweise einige Lebensmittel und Trinkwasser zu Hause hat, profitiert davon in ganz unterschiedlichen Situationen. Eine funktionierende Taschenlampe hilft nicht nur bei einem großflächigen Stromausfall, sondern auch bei einer kurzen örtlichen Störung. Ein batteriebetriebenes oder anderweitig netzunabhängiges Radio kann Informationen liefern, wenn andere Kommunikationswege eingeschränkt sind. Kopien wichtiger Dokumente können nach einem Wohnungsbrand ebenso hilfreich sein wie bei einer kurzfristigen Evakuierung.
Gute Vorsorge versucht deshalb nicht, jede denkbare Krise vorherzusagen.
Sie schafft Grundlagen, die in unterschiedlichen Situationen helfen können.
Vorsorge ist mehr als ein voller Vorratsschrank
Beim Begriff Notfallvorsorge denken viele Menschen zunächst an Lebensmittel, Wasser, Taschenlampen oder andere Ausrüstung.
Diese Dinge sind wichtig. Aber sie sind nur ein Teil davon.
Mindestens genauso wichtig ist die Frage, ob wir wissen, was wir mit unserer Ausrüstung und unseren Möglichkeiten anfangen können.
Die beste Taschenlampe hilft wenig, wenn die Batterien leer sind. Ein Lebensmittelvorrat ist nur begrenzt sinnvoll, wenn er aus Produkten besteht, die niemand im Haushalt normalerweise isst. Ein Notgepäck hilft nicht, wenn niemand weiß, wo es steht. Und wichtige Telefonnummern ausschließlich im Smartphone gespeichert zu haben, kann problematisch werden, wenn genau dieses Gerät nicht verfügbar ist.
Vorsorge besteht deshalb aus mehreren Elementen: aus materieller Vorbereitung, Wissen, praktischen Fähigkeiten und Absprachen.
Gerade innerhalb einer Familie können einfache Vereinbarungen viel bewirken. Wo treffen wir uns, wenn wir einander nicht erreichen können? Wer kümmert sich um Kinder oder Angehörige? Welche wichtigen Telefonnummern sollten alle kennen? Wo befinden sich Dokumente, Medikamente und Notfallausrüstung?
Solche Fragen kosten zunächst kein Geld.
Sie kosten nur ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit.
Muss gute Vorsorge teuer sein?
Auch dieser Eindruck entsteht schnell.
Wer im Internet nach Notfallvorsorge sucht, findet eine enorme Auswahl an Ausrüstung und Spezialprodukten. Dadurch kann das Gefühl entstehen, man müsse zunächst viel Geld ausgeben, bevor man überhaupt vernünftig vorbereitet sei.
Das stimmt nicht.
Natürlich gibt es Ausrüstung, die sinnvoll sein kann. Welche Anschaffungen tatsächlich benötigt werden, hängt aber von der persönlichen Situation ab.
Oft beginnt Vorsorge viel einfacher.
Einige zusätzliche Lebensmittel beim normalen Einkauf. Ein sinnvoller Wasservorrat. Batterien überprüfen. Medikamente rechtzeitig nachhalten. Wichtige Dokumente zusammenstellen. Telefonnummern notieren. Mit der Familie über einen Treffpunkt sprechen.
Aus vielen kleinen Schritten entsteht mit der Zeit eine solide Vorbereitung.
Notfallvorsorge muss nicht an einem Wochenende fertig werden.
Eigentlich wird sie das ohnehin nie. Lebenssituationen verändern sich. Kinder werden älter. Menschen ziehen um. Medikamente ändern sich. Neue technische Möglichkeiten entstehen und manche Risiken verändern sich.
Vorsorge ist deshalb weniger ein fertiger Zustand als ein Prozess.
Zwischen Gleichgültigkeit und Angst
Bei kaum einem anderen Thema liegen die Extreme so nah beieinander.
Auf der einen Seite steht die Haltung: „Es wird schon nichts passieren.“
Auf der anderen Seite kann der Versuch stehen, sich gegen jedes nur denkbare Ereignis abzusichern.
Beides halten wir nicht für besonders hilfreich.
Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Selbst die beste Vorbereitung kann nicht verhindern, dass außergewöhnliche Situationen entstehen. Sie kann auch nicht garantieren, dass immer alles nach Plan verläuft.
Das bedeutet aber nicht, dass Vorsorge wirkungslos ist.
Zwischen völliger Sorglosigkeit und permanenter Sorge liegt ein großer Bereich vernünftiger Vorbereitung.
Genau dort möchten wir mit KEPS ansetzen.
Wir wollen Risiken weder verharmlosen noch dramatisieren. Vielmehr geht es darum, sie realistisch zu betrachten und sich dort vorzubereiten, wo Vorbereitung sinnvoll und möglich ist.
Denn wer einige grundlegende Dinge bereits vorher geregelt hat, muss sich im Ernstfall möglicherweise um weniger Probleme gleichzeitig kümmern.
Und genau das kann einen entscheidenden Unterschied machen.
Wissen gehört zur Vorsorge
Ein Vorrat kann verbraucht werden. Eine Batterie kann leer sein. Ein technisches Gerät kann ausfallen.
Wissen bleibt dagegen verfügbar.
Wer weiß, wie er sich Informationen beschafft, wie vorhandene Lebensmittel sinnvoll genutzt werden können, welche Möglichkeiten bei einem Stromausfall bestehen oder wie eine Familie im Notfall miteinander kommuniziert, besitzt etwas, das sich nicht einfach in einen Rucksack packen lässt.
Deshalb gehört Wissen für uns genauso zur Notfallvorsorge wie Ausrüstung.
Und genau deshalb gibt es diese Wissensakademie.
Wir werden hier nach und nach einzelne Bereiche der Vorsorge genauer betrachten. Trinkwasser und Lebensmittel werden ebenso dazugehören wie Notfallausrüstung, Dokumente, Kommunikation, Krisenszenarien und persönliche Sicherheit. Auch Erfahrungen aus der Vergangenheit, Selbstversorgung und praktische Alltagskenntnisse werden ihren Platz bekommen.
Nicht jeder Beitrag wird für jeden Menschen gleichermaßen wichtig sein.
Das muss er auch nicht.
Entscheidend ist, aus den Informationen das herauszunehmen, was zur eigenen Situation passt.
Der erste Schritt ist überraschend einfach
Wenn Sie bisher noch keine Notfallvorsorge betrieben haben, müssen Sie jetzt nicht sofort eine lange Einkaufsliste schreiben.
Schauen Sie sich zunächst Ihren eigenen Alltag an.
Wer gehört zu Ihrem Haushalt? Worauf sind diese Menschen täglich angewiesen? Welche Dinge wären besonders problematisch, wenn sie für einige Stunden oder Tage nicht verfügbar wären? Welche Möglichkeiten haben Sie bereits – und wo bestehen Lücken?
Vielleicht stellen Sie dabei fest, dass Sie schon besser vorbereitet sind, als Sie gedacht haben.
Vielleicht entdecken Sie aber auch einige Punkte, um die Sie sich bisher nie Gedanken gemacht haben.
Beides ist in Ordnung.
Denn vernünftige Vorsorge beginnt nicht damit, alles zu besitzen.
Sie beginnt damit, die richtigen Fragen zu stellen.