03.01 | Welche Notfallausrüstung braucht ein Haushalt?

Wenn von Notfallausrüstung die Rede ist, entstehen schnell Bilder von großen Vorratslagern, umfangreichen Werkzeugkisten oder spezieller Survival-Ausrüstung.

Für die persönliche Notfallvorsorge ist das jedoch nicht der entscheidende Punkt.

Ein Haushalt braucht nicht möglichst viel Ausrüstung. Er braucht vor allem die Dinge, die dabei helfen, wichtige Grundbedürfnisse auch dann abzudecken, wenn gewohnte Versorgungsstrukturen vorübergehend nicht zur Verfügung stehen.

Das kann beispielsweise bei einem Stromausfall, einer Störung der Wasserversorgung, einem Unwetter oder anderen außergewöhnlichen Situationen notwendig werden.

Welche Ausrüstung dafür sinnvoll ist, hängt allerdings stark von der eigenen Situation ab.

Eine Familie mit Kindern hat andere Anforderungen als eine alleinlebende Person. Ein Haus mit Kamin, Keller und Garage bietet andere Möglichkeiten als eine kleine Stadtwohnung. Auch gesundheitliche Anforderungen, Haustiere, Mobilität und die örtlichen Risiken spielen eine Rolle.

Eine sinnvolle Notfallausrüstung orientiert sich deshalb immer am eigenen Haushalt – nicht an einer möglichst langen Einkaufsliste.

Beginnen Sie mit dem, was bereits vorhanden ist

Notfallvorsorge bedeutet nicht automatisch, neue Ausrüstung kaufen zu müssen.

Viele Dinge, die in einer außergewöhnlichen Situation hilfreich sind, befinden sich bereits im Haushalt.

Taschenlampen, Batterien, Powerbanks, ein batteriebetriebenes Radio, eine Hausapotheke, Decken, Werkzeuge, Hygieneartikel oder ein Campingkocher sind nur einige Beispiele.

Der erste Schritt sollte deshalb nicht der Einkauf sein.

Der erste Schritt ist eine Bestandsaufnahme.

Was ist bereits vorhanden?

Wo befindet es sich?

Ist es vollständig und funktionsfähig?

Und wissen alle Haushaltsmitglieder, wo wichtige Ausrüstung aufbewahrt wird?

Erst danach lässt sich sinnvoll beurteilen, was tatsächlich fehlt.

Welche Bereiche sollte eine Notfallausrüstung abdecken?

Statt einzelne Produkte aufzuzählen, ist es hilfreicher, zunächst über die Aufgaben nachzudenken, die im Notfall weiterhin erfüllt werden müssen.

Licht

Fällt der Strom aus, wird bereits eine einfache Taschenlampe wichtig.

Sinnvoll können mehrere voneinander unabhängige Lichtquellen sein. Taschenlampen, Stirnlampen oder batteriebetriebene Leuchten lassen sich je nach Haushalt unterschiedlich einsetzen.

Entscheidend ist nicht nur, dass eine Lampe vorhanden ist.

Auch passende Batterien oder geladene Akkus gehören zur Vorsorge.

Kerzen können ebenfalls Licht liefern, bringen jedoch eine zusätzliche Brandgefahr mit sich und sollten deshalb nicht die einzige eingeplante Lichtquelle sein.

Information

In einer außergewöhnlichen Situation können verlässliche Informationen entscheidend sein.

Smartphones sind dafür im Alltag hervorragend geeignet. Bei einem längeren Strom- oder Internetausfall können ihre Möglichkeiten jedoch eingeschränkt sein.

Ein netzunabhängig nutzbares Radio kann deshalb eine sinnvolle Ergänzung der Notfallausrüstung sein.

Auch hier gilt: Ein vorhandenes Gerät hilft nur dann, wenn es funktioniert und die notwendige Energieversorgung sichergestellt ist.

Energie

Viele Geräte unseres Alltags benötigen Strom.

Smartphones, Lampen und andere kleinere Geräte können für eine begrenzte Zeit beispielsweise über geladene Powerbanks versorgt werden.

Dabei sollte zunächst überlegt werden, welche Geräte im eigenen Haushalt tatsächlich wichtig sind.

Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn medizinische Hilfsmittel oder andere notwendige Geräte dauerhaft auf elektrische Energie angewiesen sind. In solchen Fällen reicht eine allgemeine Standardausrüstung möglicherweise nicht aus.

Wärme

Ein Stromausfall bedeutet nicht automatisch einen Heizungsausfall. Je nach Heizsystem können jedoch Steuerungen, Pumpen oder andere Komponenten elektrische Energie benötigen.

Warme Kleidung, Decken und geeignete Schlafmöglichkeiten gehören deshalb ebenfalls zur persönlichen Vorsorge.

Welche zusätzlichen Möglichkeiten sinnvoll sind, hängt stark von der jeweiligen Wohn- und Heizsituation ab.

Erste Hilfe und Gesundheit

Eine gut ausgestattete und regelmäßig überprüfte Erste-Hilfe-Ausstattung sollte in keinem Haushalt fehlen.

Ebenso wichtig sind persönlich benötigte Medikamente und medizinische Hilfsmittel.

Gerade hier zeigt sich, warum eine allgemeine Ausrüstungsliste allein nicht ausreicht.

Persönliche gesundheitliche Anforderungen müssen individuell berücksichtigt werden.

Hygiene

Auch bei einer eingeschränkten Wasser- oder Energieversorgung bleibt Hygiene wichtig.

Seife, Toilettenpapier, Müllbeutel, persönliche Hygieneartikel und gegebenenfalls weitere individuell benötigte Produkte lassen sich meist unkompliziert bevorraten.

Auch hier lohnt sich zunächst ein Blick auf den normalen Verbrauch im eigenen Haushalt.

Kochen und Lebensmittelzubereitung

Nicht jedes Lebensmittel aus dem Vorrat kann ohne weitere Hilfsmittel genutzt werden.

Wer Lebensmittel bevorratet, sollte deshalb auch überlegen, wie diese bei einem Ausfall der normalen Kochmöglichkeiten zubereitet werden können.

Alternative Kochmöglichkeiten können sinnvoll sein. Dabei müssen jedoch unbedingt die jeweiligen Sicherheits- und Nutzungshinweise beachtet werden.

Grills und andere Geräte, die nur für den Betrieb im Freien vorgesehen sind, dürfen nicht in geschlossenen Räumen verwendet werden. Bei ungeeigneten Verbrennungsgeräten kann insbesondere durch Kohlenmonoxid akute Lebensgefahr entstehen.

Werkzeuge und praktische Hilfsmittel

Auch einfache Werkzeuge können in einer außergewöhnlichen Situation hilfreich sein.

Ein grundlegender Werkzeugbestand, Arbeitshandschuhe, Klebeband, ein geeignetes Messer oder Multitool und weitere praktische Hilfsmittel sind in vielen Haushalten ohnehin vorhanden.

Auch hier gilt:

Nicht die Anzahl der Werkzeuge entscheidet, sondern ob sie für den eigenen Bedarf sinnvoll und im Bedarfsfall verfügbar sind.

Ausrüstung muss erreichbar sein

Die beste Notfallausrüstung hilft wenig, wenn sie im entscheidenden Moment nicht gefunden wird.

Wichtige Gegenstände sollten deshalb an sinnvollen und möglichst bekannten Orten aufbewahrt werden.

Das bedeutet nicht, dass die gesamte Notfallausrüstung in einer einzigen großen Kiste liegen muss.

Eine Taschenlampe kann beispielsweise am Bett sinnvoller sein als im Keller. Eine weitere kann an einem zentralen Ort im Haushalt liegen.

Erste-Hilfe-Material sollte schnell erreichbar sein.

Powerbanks sollten geladen sein.

Und wichtige Geräte sollten nicht erst nach Jahren aus einem Schrank geholt werden, wenn niemand mehr weiß, ob sie überhaupt funktionieren.

Notfallausrüstung muss nicht nur vorhanden sein. Sie muss erreichbar, einsatzbereit und bekannt sein.

Typische Fehler bei der Notfallausrüstung

Zu viel auf einmal kaufen

Eine lange Einkaufsliste führt schnell zu hohen Kosten. Sinnvoller ist es, zunächst vorhandene Ausrüstung zu prüfen und tatsächliche Lücken zu erkennen.

Ausrüstung kaufen, die man nicht bedienen kann

Technische Geräte sind nur dann hilfreich, wenn ihre Funktionsweise bekannt ist.

Batterien, Akkus und Verbrauchsmaterial vergessen

Eine Taschenlampe ohne funktionierende Energieversorgung ist im Stromausfall wenig hilfreich.

Alles an einem einzigen Ort lagern

Je nach Situation kann dieser Bereich des Hauses möglicherweise nicht erreichbar sein.

Ausrüstung nie kontrollieren

Batterien entladen sich, Medikamente und andere Produkte können ablaufen und technische Geräte können beschädigt werden.

Die persönliche Situation nicht berücksichtigen

Kinder, ältere Menschen, gesundheitliche Anforderungen und Haustiere können zusätzliche oder völlig andere Ausrüstung notwendig machen.

Muss ich alles sofort anschaffen?

Nein.

Wie beim Aufbau eines Trinkwasservorrates gilt auch bei der Notfallausrüstung:

Vorsorge muss nicht an einem einzigen Tag entstehen. Entscheidend ist, überhaupt damit anzufangen.

Beginnen Sie mit den grundlegenden Dingen.

Prüfen Sie zunächst, was bereits vorhanden ist. Ergänzen Sie anschließend die Ausrüstung, die für Ihren Haushalt tatsächlich fehlt.

So entsteht nach und nach eine Notfallausrüstung, die nicht irgendeiner allgemeinen Checkliste entspricht, sondern zu Ihrer persönlichen Situation passt.

KEPS-Fazit

Eine sinnvolle Notfallausrüstung muss weder besonders umfangreich noch besonders teuer sein.

Entscheidend ist, dass sie die grundlegenden Bedürfnisse des eigenen Haushaltes unterstützt und im Bedarfsfall tatsächlich genutzt werden kann.

Prüfen Sie zuerst, was bereits vorhanden ist.

Erkennen Sie anschließend die tatsächlichen Lücken.

Ergänzen Sie Ihre Ausrüstung Schritt für Schritt.

Und kontrollieren Sie regelmäßig, ob wichtige Geräte funktionieren, Akkus geladen und benötigte Verbrauchsmaterialien vorhanden sind.

Gute Notfallausrüstung besteht nicht aus möglichst vielen Dingen. Sie besteht aus Dingen, die zu Ihrem Haushalt passen, im Ernstfall erreichbar sind und deren Verwendung Sie kennen.

 

Quellen:
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) – Vorsorgen für Krisen und Katastrophen
Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) – Vorsorge und Handeln bei Stromausfall

BBK – Ratgeber „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“

BBK – Vorsorge und Handeln bei Stromausfall