04.01 | Was gehört in ein Notgepäck?
Was Sie für eine kurzfristige Evakuierung griffbereit haben sollten und warum ein gutes Notgepäck individuell zusammengestellt wird
Eine Evakuierung kann sehr unterschiedliche Gründe haben. Ein Brand im eigenen Wohngebäude, ein Hochwasser, ein größerer Schadensfall in der Umgebung oder eine behördlich angeordnete Räumung können dazu führen, dass die eigene Wohnung oder das eigene Haus kurzfristig verlassen werden muss.
In einer solchen Situation bleibt möglicherweise nur wenig Zeit, um die wichtigsten Dinge zusammenzusuchen. Genau hier kommt das Notgepäck ins Spiel.
Ein vorbereitetes Notgepäck enthält Dinge, die dabei helfen, die erste Zeit außerhalb der eigenen vier Wände zu überbrücken. Dazu gehören nicht nur Wasser, etwas Verpflegung oder Kleidung. Persönliche Dokumente, Medikamente, Kommunikationsmöglichkeiten und individuelle Bedürfnisse können mindestens ebenso wichtig sein.
Dabei gibt es jedoch nicht das eine Notgepäck, das für jeden Menschen gleichermaßen geeignet ist. Eine alleinlebende Person benötigt andere Dinge als eine Familie mit kleinen Kindern. Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, hat andere Anforderungen als jemand ohne gesundheitliche Abhängigkeiten. Auch Haustiere, die Jahreszeit oder die persönliche Mobilität spielen bei der Zusammenstellung eine Rolle.
Und noch etwas ist entscheidend: Ein Notgepäck muss im Ernstfall tatsächlich mitgenommen werden können. Ein bis zum Rand gefüllter Rucksack hilft wenig, wenn er zu schwer ist oder wichtige Dinge darin erst lange gesucht werden müssen.
In diesem Beitrag schauen wir uns deshalb Schritt für Schritt an, was in ein sinnvolles Notgepäck gehört, worauf Sie bei der Zusammenstellung achten sollten und wie Sie es an Ihre persönliche Situation anpassen können.
Was ist ein Notgepäck?
Ein Notgepäck ist eine vorbereitete Zusammenstellung wichtiger persönlicher Dinge, die bei einer kurzfristigen Evakuierung schnell mitgenommen werden kann. Häufig wird dafür ein Rucksack verwendet, weil er sich gut tragen lässt und beide Hände frei bleiben. Je nach persönlicher Situation können aber auch andere Lösungen sinnvoll sein.
Das Notgepäck ist dabei kein vollständiger Ersatz für die Vorräte und die Notfallausrüstung zu Hause. Es erfüllt eine andere Aufgabe: Es soll Sie dabei unterstützen, wenn Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus verlassen müssen und zunächst nicht wissen, wann Sie zurückkehren können.
Dabei muss eine Evakuierung nicht zwangsläufig bedeuten, dass Sie mehrere Tage vollständig auf sich allein gestellt sind. Vielleicht kommen Sie bei Angehörigen oder Freunden unter, werden in einer Notunterkunft versorgt oder können bereits nach einigen Stunden wieder nach Hause zurückkehren. Zum Zeitpunkt des Aufbruchs lässt sich das jedoch häufig noch nicht zuverlässig einschätzen.
Deshalb sollte ein Notgepäck vor allem die Dinge enthalten, die in den ersten Stunden und darüber hinaus persönlich wichtig, kurzfristig nicht ohne Weiteres ersetzbar oder unterwegs unmittelbar hilfreich sind.
Dazu gehören beispielsweise persönliche Unterlagen, notwendige Medikamente, etwas Verpflegung, geeignete Kleidung sowie Möglichkeiten für Licht, Information und Kommunikation.
Entscheidend ist jedoch nicht, möglichst viele Gegenstände einzupacken. Das Notgepäck soll die eigene Handlungsfähigkeit unterstützen – und dabei so zusammengestellt sein, dass es im Ernstfall schnell griffbereit und tatsächlich transportierbar ist.
Welche Anforderungen sollte ein Notgepäck erfüllen?
Bevor wir uns mit dem konkreten Inhalt beschäftigen, lohnt sich ein Blick auf das Gepäck selbst. Denn nicht nur was eingepackt wird, sondern auch wie es transportiert werden kann, spielt im Ernstfall eine wichtige Rolle.
Für viele Menschen ist ein Rucksack die praktischste Lösung. Das Gewicht verteilt sich auf beide Schultern, die Hände bleiben frei und auch Treppen, längere Fußwege oder öffentliche Verkehrsmittel lassen sich damit vergleichsweise gut bewältigen. Sinnvoll sind stabile Tragegurte, eine möglichst angenehme Passform und mehrere Fächer, damit wichtige Gegenstände schnell erreichbar bleiben.
Auch ein gewisser Schutz vor Regen und Feuchtigkeit ist hilfreich. Dafür muss es nicht zwingend ein vollständig wasserdichter Rucksack sein. Eine Regenhülle oder zusätzlich wasserdicht verpackte Dokumente und empfindliche Gegenstände können bereits viel bewirken.
Bei Familien kann es sinnvoll sein, die benötigte Ausrüstung auf mehrere Personen zu verteilen. Erwachsene und größere Kinder können – entsprechend ihrer körperlichen Möglichkeiten – jeweils einen Teil tragen. Gleichzeitig sollte bedacht werden, was passiert, wenn die Familie während einer Evakuierung nicht vollständig zusammen ist.
Ein Trolley oder eine Tasche auf Rollen kann für einzelne Personen ebenfalls eine Möglichkeit sein. Allerdings können Treppen, unbefestigte Wege, Trümmer oder längere Fußstrecken schnell zum Problem werden. Die gewählte Lösung sollte deshalb zur eigenen Mobilität und Lebenssituation passen.
Vor allem gilt: Das Notgepäck muss tragbar bleiben.
Es bringt wenig, für jede denkbare Situation etwas einzupacken und am Ende einen Rucksack zu haben, der kaum noch bewegt werden kann. Gewicht, Nutzen und persönliche Notwendigkeit sollten deshalb bei jedem Gegenstand gegeneinander abgewogen werden.
Ein gutes Notgepäck ist nicht möglichst groß. Es ist so zusammengestellt, dass Sie das wirklich Wichtige schnell greifen und auch tatsächlich mitnehmen können.
Was gehört in ein Notgepäck?
Nachdem die grundlegenden Anforderungen geklärt sind, geht es an den Inhalt. Dabei ist es sinnvoll, nicht einfach eine möglichst lange Packliste abzuarbeiten, sondern sich zu fragen: Was benötige ich, wenn ich meine Wohnung kurzfristig verlassen muss und zunächst nicht weiß, wann und unter welchen Bedingungen ich zurückkehren kann?
Ein sinnvoll zusammengestelltes Notgepäck deckt verschiedene grundlegende Bereiche ab.
Wasser und Verpflegung
Auch wenn bei einer Evakuierung möglicherweise eine Versorgung organisiert wird, sollten etwas Trinkwasser und unmittelbar verzehrbare Lebensmittel mitgeführt werden. Geeignet sind vor allem kompakte, haltbare Lebensmittel, die ohne Kochen oder aufwendige Zubereitung gegessen werden können.
Dabei geht es nicht darum, den gesamten häuslichen Lebensmittelvorrat mitzunehmen. Gewicht und Platz setzen klare Grenzen. Das Notgepäck soll zunächst dabei helfen, eine mögliche Versorgungslücke unterwegs oder während der ersten Zeit zu überbrücken.
Persönliche Dokumente und wichtige Informationen
Ausweisdokumente, wichtige Kontaktdaten und weitere persönlich relevante Unterlagen können nach einer Evakuierung von großer Bedeutung sein. Welche Dokumente im Original mitgeführt werden sollten und bei welchen Unterlagen Kopien ausreichen, hängt von der persönlichen Situation ab.
Empfindliche Unterlagen sollten vor Feuchtigkeit geschützt aufbewahrt werden. Zusätzlich können wichtige Informationen digital gesichert werden. Eine digitale Sicherung ersetzt jedoch nicht automatisch alle Dokumente, die möglicherweise im Original benötigt werden.
Medikamente und Erste Hilfe
Wer regelmäßig auf Medikamente angewiesen ist, sollte diese bei der Planung besonders berücksichtigen. Dazu gehören auch Informationen über die Medikamente, Dosierungen und gegebenenfalls ärztliche Verordnungen oder andere wichtige medizinische Angaben.
Eine kompakte Erste-Hilfe-Ausstattung gehört ebenfalls in ein sinnvoll vorbereitetes Notgepäck. Persönlich benötigte Hilfsmittel – beispielsweise eine Brille oder andere unverzichtbare medizinische Gegenstände – dürfen bei einer allgemeinen Packliste nicht vergessen werden.
Gerade hier zeigt sich, warum ein Notgepäck immer individuell zusammengestellt werden muss: Was für eine Person lediglich praktisch ist, kann für eine andere unverzichtbar sein.
Kleidung und Wetterschutz
Wer die eigene Wohnung kurzfristig verlassen muss, weiß möglicherweise nicht, wie lange er unterwegs sein wird oder wo die nächste Nacht verbracht wird. Deshalb gehört auch zweckmäßige Kleidung in das Notgepäck.
Sinnvoll ist mindestens ein Wechsel an Unterwäsche und Socken sowie Kleidung, die zur jeweiligen Jahreszeit passt. Besonders wichtig sind geeignete Schuhe. Wer nachts durch einen Alarm geweckt wird, sollte nicht erst überlegen müssen, welche Schuhe sich für einen längeren Fußweg eignen.
Auch Regen- und Kälteschutz sollten berücksichtigt werden. Eine leichte Regenjacke oder ein kompakter Poncho benötigt wenig Platz und kann bei schlechtem Wetter sehr hilfreich sein. In der kalten Jahreszeit können zusätzlich Mütze, Handschuhe oder eine wärmende Kleidungsschicht sinnvoll sein.
Eine Rettungsdecke nimmt nur wenig Raum ein und kann die persönliche Ausstattung ergänzen. Sie ersetzt jedoch keine der Witterung entsprechende Kleidung.
Hygiene und persönliche Bedürfnisse
Auch bei einer kurzfristigen Evakuierung werden grundlegende Hygieneartikel benötigt. Eine kleine, bewusst zusammengestellte Ausstattung reicht in vielen Fällen aus.
Dazu können beispielsweise Zahnbürste und Zahnpasta, Seife oder Desinfektionsmittel, Toilettenpapier oder Taschentücher, Feuchttücher sowie individuell benötigte Hygieneartikel gehören. Auch eine kleine Rolle Müllbeutel oder einige verschließbare Beutel können unterwegs überraschend vielseitig eingesetzt werden.
Hier gilt ebenfalls: Nicht das Badezimmer einpacken, sondern das, was persönlich wirklich benötigt wird.
Wer Kontaktlinsen trägt, bestimmte Hautpflegeprodukte benötigt oder auf andere persönliche Hygieneartikel angewiesen ist, sollte diese bei der Zusammenstellung berücksichtigen. Für Familien kommen entsprechend die Bedürfnisse von Babys und Kindern hinzu.
Ein Notgepäck muss deshalb nicht bei jedem Menschen gleich aussehen. Persönliche Vorsorge beginnt dort, wo aus einer allgemeinen Empfehlung die eigene Packliste wird.
Licht, Information und Kommunikation
Bei einer Evakuierung kann es vorkommen, dass Sie sich auch bei Dunkelheit orientieren müssen. Eine kompakte Taschenlampe oder Stirnlampe gehört deshalb in ein gut vorbereitetes Notgepäck. Ersatzbatterien beziehungsweise ein ausreichend geladener Akku sollten dabei ebenfalls berücksichtigt werden.
Eine Stirnlampe hat den Vorteil, dass beide Hände frei bleiben – beispielsweise beim Tragen von Gepäck, beim Öffnen von Türen oder wenn Kinder begleitet werden müssen.
Ebenso wichtig ist der Zugang zu aktuellen Informationen. Das Smartphone wird für viele Menschen dabei das wichtigste Hilfsmittel sein. Es ermöglicht Kommunikation, Navigation und den Zugriff auf Warnungen und Informationen. Allerdings funktioniert es nur, solange der Akku ausreichend geladen ist und entsprechende Netze verfügbar sind.
Eine geladene Powerbank mit passendem Ladekabel kann deshalb die Nutzungsdauer deutlich verlängern. Ein kleines batteriebetriebenes oder anderweitig netzunabhängiges Radio kann die Ausstattung zusätzlich ergänzen, wenn Mobilfunk oder Internet nicht zur Verfügung stehen.
Auch eine schriftliche Liste wichtiger Telefonnummern und Adressen ist sinnvoll. Telefonnummern von Angehörigen, Freunden oder anderen wichtigen Ansprechpartnern sind heute häufig nur noch im Smartphone gespeichert. Fällt dieses aus oder geht verloren, stehen diese Informationen möglicherweise nicht mehr zur Verfügung.
Bargeld, Schlüssel und weitere wichtige Kleinigkeiten
Ein kleiner Bargeldbetrag gehört ebenfalls in das Notgepäck. Kartenzahlung und Geldautomaten können beispielsweise bei technischen Störungen oder Stromausfällen zeitweise nicht verfügbar sein. Dabei geht es nicht darum, große Geldbeträge mitzuführen, sondern eine zusätzliche Zahlungsmöglichkeit zu haben.
Ebenso selbstverständlich wie leicht zu vergessen sind Haus-, Wohnungs- und Fahrzeugschlüssel sowie gegebenenfalls weitere benötigte Schlüssel.
Hilfreich können außerdem ein Schreibblock und Stift, einige stabile Beutel sowie eine kleine Rolle Klebeband sein. Solche einfachen Gegenstände benötigen wenig Platz und können in unterschiedlichen Situationen praktisch sein.
Auch hier sollte jedoch nicht nach dem Prinzip „Das könnte irgendwann vielleicht nützlich sein“ gepackt werden. Bei jedem zusätzlichen Gegenstand lohnt sich die Frage:
Brauche ich das mit ausreichender Wahrscheinlichkeit – und ist es mir den Platz und das zusätzliche Gewicht wert?
Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen
Allgemeine Packlisten können eine gute Orientierung bieten. Entscheidend ist jedoch, das Notgepäck anschließend an die eigene Lebenssituation anzupassen.
Bei Familien mit kleinen Kindern können beispielsweise Windeln, Babynahrung, Wechselkleidung oder vertraute Gegenstände wichtig sein. Gerade für Kinder kann eine Evakuierung eine ungewohnte und belastende Situation darstellen. Ein kleines Spielzeug, ein Buch oder ein vertrauter Gegenstand benötigt wenig Platz und kann dabei helfen, etwas Normalität zu bewahren.
Auch ältere Menschen oder Personen mit körperlichen Einschränkungen sollten prüfen, welche Hilfsmittel sie im Alltag benötigen und welche davon bei einer Evakuierung unbedingt verfügbar sein müssen.
Wer auf regelmäßig einzunehmende Medikamente, medizinische Geräte oder andere Hilfsmittel angewiesen ist, sollte diese Anforderungen besonders sorgfältig in die persönliche Planung einbeziehen.
Auch Haustiere gehören in die Evakuierungsplanung. Je nach Tier können Transportbox oder Leine, Futter, Wasser, Medikamente, Kotbeutel und gegebenenfalls wichtige Unterlagen erforderlich sein. Dabei sollte vorher überlegt werden, wie Tier und eigenes Notgepäck gleichzeitig transportiert werden können.
Für Familien stellt sich außerdem eine weitere wichtige Frage: Was passiert, wenn zum Zeitpunkt einer Evakuierung nicht alle zu Hause sind?
Es kann deshalb sinnvoll sein, nicht sämtliche unverzichtbaren Dinge ausschließlich in einem einzigen Rucksack aufzubewahren. Erwachsene beziehungsweise größere Kinder können entsprechend ihrer Möglichkeiten eigene Ausrüstung mitführen. Gleichzeitig sollte innerhalb der Familie bekannt sein, wo sich wichtige Unterlagen und Notgepäck befinden.
Das Ziel ist nicht, auf jede denkbare Situation vorbereitet zu sein. Entscheidend ist, die eigenen Abhängigkeiten und besonderen Bedürfnisse vorher zu erkennen.
Denn genau diese Dinge werden auf einer allgemeinen Packliste am leichtesten übersehen – und können im Ernstfall besonders wichtig sein.
Wie schwer sollte ein Notgepäck sein?
Bei der Zusammenstellung eines Notgepäcks entsteht schnell die Versuchung, für möglichst viele Situationen etwas einzupacken. Mit jedem zusätzlichen Gegenstand steigt jedoch das Gewicht – und irgendwann wird aus dem hilfreichen Notgepäck eine Belastung.
Eine pauschale Gewichtsangabe, die für jeden Menschen passt, gibt es nicht. Körperliche Verfassung, Alter, Mobilität, mögliche gesundheitliche Einschränkungen und die zu erwartende Wegstrecke spielen eine wichtige Rolle.
Deshalb ist eine einfache praktische Prüfung hilfreicher als eine starre Kilogrammzahl: Packen Sie Ihr Notgepäck vollständig und tragen Sie es probeweise.
Gehen Sie damit einige Zeit zu Fuß. Steigen Sie Treppen. Ziehen Sie eine Jacke an und aus. Prüfen Sie, ob Sie gleichzeitig eine Tür öffnen, ein Kind begleiten oder weitere notwendige Dinge tragen könnten.
Dabei zeigt sich schnell, ob der Rucksack tatsächlich alltagstauglich gepackt wurde.
Ist er bereits nach kurzer Zeit unangenehm schwer, sollte der Inhalt noch einmal kritisch geprüft werden. Was ist unverzichtbar? Was lässt sich leichter oder kompakter lösen? Welche Gegenstände wurden nur eingepackt, weil sie irgendwann vielleicht nützlich sein könnten?
Bei Familien kann das Gewicht sinnvoll auf mehrere Personen verteilt werden. Dabei sollte die Belastung selbstverständlich zu Alter und körperlichen Möglichkeiten der jeweiligen Person passen.
Besonders Wasser kann das Gewicht schnell erhöhen. Ein Liter Wasser wiegt ungefähr ein Kilogramm. Auch deshalb lässt sich ein umfangreicher häuslicher Vorrat nicht einfach in ein Evakuierungsgepäck übertragen.
Ein Notgepäck sollte deshalb nicht nur auf dem Papier funktionieren. Ob es wirklich zu Ihnen passt, zeigt sich spätestens dann, wenn Sie es einmal vollständig gepackt auf den Rücken nehmen.
Wo sollte das Notgepäck aufbewahrt werden?
Ein sorgfältig zusammengestelltes Notgepäck hilft wenig, wenn es im entscheidenden Moment erst aus dem Keller geholt, auf dem Dachboden gesucht oder hinter anderen Dingen hervorgezogen werden muss.
Deshalb sollte es an einem festen, gut erreichbaren und allen Haushaltsmitgliedern bekannten Ort aufbewahrt werden. Ideal ist ein Platz, von dem aus das Gepäck beim Verlassen der Wohnung oder des Hauses schnell mitgenommen werden kann.
Dabei sollte auch überlegt werden, welche Fluchtwege tatsächlich zur Verfügung stehen. Befindet sich das Notgepäck beispielsweise ausschließlich im Keller, kann es bei einem Brand möglicherweise nicht mehr erreichbar sein. Auch ein Abstellraum, der erst mühsam freigeräumt werden muss, ist keine gute Lösung.
Wichtige Dinge, die täglich benötigt werden, müssen selbstverständlich nicht dauerhaft im Rucksack liegen. Smartphone, Geldbörse, persönliche Medikamente oder Schlüssel werden häufig im Alltag gebraucht. Für solche Gegenstände kann eine kleine persönliche Mitnahmeliste direkt am oder im Notgepäck sinnvoll sein.
Darauf könnten beispielsweise stehen:
Smartphone – Geldbörse – Schlüssel – Medikamente – Brille – persönliche Dokumente
So muss im Ernstfall nicht erst überlegt werden, was noch fehlt.
Regelmäßig kontrollieren statt einmal packen und vergessen
Ein Notgepäck ist keine Ausrüstung, die einmal zusammengestellt und anschließend jahrelang unbeachtet im Schrank stehen sollte.
Lebensmittel können ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen, Medikamente müssen möglicherweise ersetzt werden, Batterien verlieren ihre Leistung und eine Powerbank kann sich mit der Zeit entladen. Auch Kleidung passt möglicherweise nicht mehr oder entspricht nicht mehr der aktuellen Jahreszeit.
Besonders bei Kindern können sich Anforderungen innerhalb weniger Monate deutlich verändern.
Deshalb sollte das Notgepäck in regelmäßigen Abständen und bei wichtigen Veränderungen der persönlichen Lebenssituation überprüft werden.
Dabei reicht eine einfache Kontrolle: Ist alles vollständig? Funktioniert die Technik? Sind Akkus geladen? Sind Lebensmittel und Medikamente noch verwendbar? Stimmen Kleidung und persönliche Ausstattung noch? Haben sich Telefonnummern, Dokumente oder individuelle Bedürfnisse geändert?
So bleibt aus einem einmal gepackten Rucksack eine tatsächlich einsatzbereite Vorsorgemaßnahme.
Gute Vorbereitung bedeutet nicht nur, etwas zu besitzen. Sie bedeutet auch, dafür zu sorgen, dass es im entscheidenden Moment funktioniert.
Typische Fehler beim Notgepäck
Ein Notgepäck soll im Ernstfall unterstützen. Einige Fehler können jedoch dazu führen, dass es gerade dann unpraktisch oder unvollständig ist, wenn es gebraucht wird.
Ein häufiger Fehler ist, zu viel einzupacken. Aus dem Gedanken „Das könnte ich vielleicht brauchen“ entsteht schnell ein schwerer Rucksack, der sich über längere Strecken kaum noch tragen lässt. Deshalb sollte jeder Gegenstand einen nachvollziehbaren Zweck erfüllen.
Ebenso problematisch ist es, sich ausschließlich an einer allgemeinen Packliste zu orientieren. Persönliche Medikamente, Sehhilfen, besondere Bedürfnisse von Kindern oder Haustieren und andere individuelle Anforderungen können dort nicht vollständig berücksichtigt werden.
Auch ein fertig gepacktes Notgepäck kann mit der Zeit seine Einsatzbereitschaft verlieren. Leere Akkus, abgelaufene Lebensmittel, nicht mehr passende Kleidung oder veraltete Kontaktdaten fallen häufig erst dann auf, wenn die Ausrüstung tatsächlich benötigt wird.
Ein weiterer Fehler ist ein ungünstiger Aufbewahrungsort. Das Notgepäck sollte nicht nur vorhanden, sondern bei Bedarf auch schnell erreichbar sein.
Und schließlich sollte die Familie wissen, wo sich das Gepäck befindet und was im Fall einer Evakuierung zusätzlich mitgenommen werden muss.
Ein Notgepäck ist deshalb keine einmal erledigte Aufgabe. Es ist ein Bestandteil der persönlichen Vorsorge, der zur eigenen Lebenssituation passen und regelmäßig überprüft werden sollte.
KEPS-Fazit
Ein gut vorbereitetes Notgepäck kann dabei helfen, die eigene Wohnung oder das eigene Haus im Fall einer notwendigen Evakuierung schneller und geordneter zu verlassen.
Dabei kommt es nicht darauf an, für jede denkbare Situation möglichst viel einzupacken. Entscheidend ist, die Dinge griffbereit zu haben, die in der eigenen Situation tatsächlich wichtig sind – und das Gepäck so zusammenzustellen, dass es auch transportiert werden kann.
Allgemeine Empfehlungen und Packlisten bieten dafür eine gute Grundlage. Die eigentliche Vorsorge beginnt jedoch mit den persönlichen Fragen: Welche Medikamente benötige ich? Welche Dokumente sind wichtig? Wer gehört zu meinem Haushalt? Gibt es Kinder, Haustiere oder besondere Anforderungen? Und kann ich mein gepacktes Notgepäck tatsächlich tragen?
Wer diese Fragen frühzeitig beantwortet, muss wichtige Entscheidungen nicht erst dann treffen, wenn möglicherweise nur wenig Zeit bleibt.
Ein Notgepäck muss nicht möglichst umfangreich sein. Es muss zu Ihnen passen und im entscheidenden Moment einsatzbereit sein.
Und wie immer gilt bei KEPS:
Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit. Aber es gibt Möglichkeiten, besser vorbereitet zu sein.