Besondere Gefahrenlagen
Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit.
Unser Alltag ist von vielen Routinen geprägt. Wir gehen zur Arbeit, besuchen Veranstaltungen, nutzen öffentliche Verkehrsmittel oder verbringen Zeit mit Familie und Freunden.
Die meisten dieser Situationen verlaufen selbstverständlich und sicher.
Dennoch können außergewöhnliche Ereignisse entstehen, die kaum vorhersehbar sind und Menschen innerhalb kürzester Zeit vor schwierige Entscheidungen stellen.
Wir können nicht jedes Risiko ausschließen und nicht jede Gefahr rechtzeitig erkennen.
Aber wir können uns darauf vorbereiten, auch in einer außergewöhnlichen Situation möglichst handlungsfähig zu bleiben.
Vorbereitung bedeutet nicht, Angst vor dem Alltag zu haben. Sie bedeutet, auch für das Unwahrscheinliche einige Antworten zu kennen.
Nicht jede Gefahr kündigt sich an
Manche Situationen entwickeln sich langsam. Andere entstehen innerhalb weniger Sekunden.
Eine Auseinandersetzung eskaliert. Eine Menschenmenge gerät in Bewegung. Eine Gewalttat beginnt plötzlich. Ein Fahrzeug fährt unerwartet in einen Bereich mit vielen Menschen.
In solchen Situationen kann die Reaktionszeit sehr kurz sein.
Deshalb wäre es falsch zu versprechen, dass Aufmerksamkeit allein vollständigen Schutz bieten kann.
Persönliche Vorsorge kann Risiken reduzieren. Sie kann sie nicht vollständig beseitigen.
Entscheidend ist, vorhandene Handlungsmöglichkeiten zu erkennen und zu nutzen.
Wenn aus Alltag plötzlich Gefahr wird
Besondere Gefahrenlagen können sehr unterschiedlich aussehen.
Trotzdem gibt es einige grundlegende Fragen, die in vielen Situationen helfen können:
Wo befindet sich die Gefahr?
Kann ich Abstand schaffen?
Gibt es einen sicheren Fluchtweg?
Wo finde ich Schutz oder Deckung?
Wie kann ich Hilfe verständigen?
Dabei gilt:
Eigenschutz hat Vorrang.
Wer selbst unmittelbar gefährdet ist, kann anderen möglicherweise nicht mehr helfen.
Nicht beobachten – handeln
Ungewöhnliche Ereignisse wecken Aufmerksamkeit. Gerade heute ist der Griff zum Smartphone schnell gemacht.
In einer akuten Gefahrenlage kann Neugier jedoch wertvolle Zeit kosten.
Bleiben Sie nicht stehen, um eine Situation zu beobachten oder zu filmen. Nähern Sie sich nicht einer erkennbaren Gefahr und kehren Sie nicht wegen persönlicher Gegenstände in einen Gefahrenbereich zurück.
Abstand zur Gefahr ist wichtiger als zu wissen, was genau passiert ist.
Extreme Gewalttaten
Terroranschläge, Amoktaten oder bewaffnete Angriffe gehören zu den Situationen, für die es keine Handlung gibt, die unter allen Umständen richtig ist.
Die Polizeiliche Kriminalprävention empfiehlt als grundlegende Orientierung:
FLÜCHTEN
Wenn ein sicherer Fluchtweg vorhanden ist, verlassen Sie den Gefahrenbereich. Bringen Sie Abstand zwischen sich und die Gefahr und lassen Sie persönliche Gegenstände zurück.
VERSTECKEN
Ist eine sichere Flucht nicht möglich, suchen Sie einen möglichst geschützten Bereich auf. Geeignete Räume beziehungsweise massive Bauteile können Schutz bieten.
ALARMIEREN
Verständigen Sie die Polizei, sobald dies sicher möglich ist. Folgen Sie anschließend den Anweisungen der Einsatzkräfte. Die Polizei empfiehlt bei solchen Lagen die Alarmierung über 110.
Die konkrete Situation entscheidet. Kein Handlungsschema kann jede Lage vorhersehen.
Gefahr durch Fahrzeuge
Ein Fahrzeug, das plötzlich in eine Menschenmenge fährt, gehört zu den Situationen, bei denen möglicherweise nur Sekunden zum Reagieren bleiben.
Nicht immer lässt sich eine solche Gefahr vorher erkennen.
Wenn Sie eine ungewöhnliche Fahrzeugbewegung wahrnehmen und reagieren können, versuchen Sie, den unmittelbaren Fahrweg zu verlassen und Abstand zu schaffen.
Nutzen Sie vorhandene massive Hindernisse oder bauliche Strukturen, wenn diese erreichbar sind. Wenn es die Situation zulässt, verlassen Sie den unmittelbaren Fahrweg und suchen Sie seitlich Schutz hinter massiven Hindernissen oder baulichen Strukturen.
Ist die unmittelbare Gefahr vorüber, entfernen Sie sich weiter aus dem Gefahrenbereich und verständigen Sie Hilfe.
Gefährliche Menschenmengen
Große Veranstaltungen und Menschenansammlungen verlaufen in aller Regel problemlos.
Kritisch kann es werden, wenn sehr viele Menschen gleichzeitig in dieselbe Richtung drängen, Fluchtwege blockiert werden oder Unruhe und Panik entstehen.
Schon beim Betreten einer Veranstaltung kann es sinnvoll sein, Ausgänge und alternative Wege kurz wahrzunehmen.
Entsteht gefährlicher Druck innerhalb einer Menschenmenge, sollte das Ziel sein, aus besonders dichtem Gedränge herauszukommen, ohne selbst zusätzliche Unruhe zu erzeugen.
Auch hier gilt:
Frühes Wahrnehmen schafft Handlungsmöglichkeiten.
Sexualisierte Gewalt und Übergriffe
Sexualisierte Gewalt kann durch einzelne oder mehrere Täter geschehen, im öffentlichen Raum ebenso wie im persönlichen Umfeld. Gerade bei Kindern und Jugendlichen stammen Täter keineswegs nur aus der Gruppe unbekannter Fremder; Fachinformationen weisen ausdrücklich darauf hin, dass Übergriffe auch durch bekannte Personen und im sozialen Umfeld stattfinden.
Die Verantwortung für sexualisierte Gewalt liegt immer beim Täter – niemals beim Opfer.
Vorbereitung kann trotzdem helfen, Handlungsmöglichkeiten zu schaffen.
Kinder und Jugendliche sollten altersgerecht wissen, dass sie Grenzen setzen dürfen, unangenehme Situationen verlassen und sich jederzeit an vertraute Erwachsene wenden können.
Eltern wiederum sollten eine Atmosphäre schaffen, in der Kinder über unangenehme Erlebnisse sprechen können, ohne befürchten zu müssen, nicht ernst genommen oder selbst verantwortlich gemacht zu werden.
Wenn etwas passiert ist
Nach einer schweren Gewalttat können medizinische Hilfe, Polizei, Beratungsstellen und Menschen aus dem persönlichen Umfeld wichtig werden.
Betroffene reagieren sehr unterschiedlich auf Gewalterfahrungen. Auch Scham kann dazu führen, dass Menschen zunächst keine Hilfe suchen. Gerade bei sexualisierter Gewalt weist die Polizei darauf hin, dass sehr unterschiedliche Reaktionen normal sind und die Verantwortung ausschließlich bei der Tatperson liegt.
Wenn etwas passiert ist, bedeutet Hilfe anzunehmen nicht, versagt zu haben.
Sicherheit bedeutet nicht Kontrolle
Wir können nicht jede Gefahr vorhersehen.
Wir können nicht jede Situation kontrollieren.
Und selbst richtiges Verhalten kann keinen vollständigen Schutz garantieren.
Das anzuerkennen bedeutet nicht, hilflos zu sein.
Wissen, Vorbereitung und Aufmerksamkeit können helfen, Gefahren früher wahrzunehmen, Entscheidungen schneller zu treffen und vorhandene Handlungsmöglichkeiten zu nutzen.
Es gibt keine hundertprozentige Sicherheit.
Aber es gibt Möglichkeiten, besser vorbereitet zu sein.