Vorsorge beginnt nicht mit Angst, sondern mit Verantwortung
Im Gespräch mit Marcel Kaminsky, Gründer von KEPS
Notfallvorsorge wird häufig mit Krisenszenarien, langen Checklisten oder umfangreicher Ausrüstung verbunden. Für Marcel Kaminsky geht es um etwas anderes: Menschen sollen ihre persönliche Situation verstehen, sich Schritt für Schritt vorbereiten und dadurch in schwierigen Situationen ruhiger und handlungsfähiger bleiben.
Im Gespräch erklärt der Gründer von KEPS – Kaminsky Emergency Preparedness Solutions, wie KEPS entstanden ist, was für ihn gute Notfallvorsorge bedeutet und warum es dabei nicht darum geht, auf jede denkbare Krise vorbereitet zu sein.
1. Marcel, warum gibt es KEPS überhaupt?
KEPS ist ursprünglich aus der persönlichen Notfallvorsorge meiner Frau Simone und mir entstanden. Wir haben uns intensiv damit beschäftigt, wie wir uns selbst auf unterschiedliche Krisen und Notfälle besser vorbereiten können.
In Zeiten, die wir zunehmend als unruhig erleben, ist daraus irgendwann der Wunsch entstanden, auch anderen Menschen dabei zu helfen, ihre persönliche Vorsorge aufzubauen.
Unser Ziel ist dabei eigentlich ganz einfach: Wir möchten, dass Menschen und Familien auf Krisen möglichst gut vorbereitet sind.
Denn wer sich vorher mit möglichen Situationen beschäftigt und entsprechende Vorkehrungen getroffen hat, kann im Ernstfall oftmals ruhiger, überlegter und handlungsfähiger reagieren.
Genau daraus ist KEPS entstanden.
2. Was bedeutet gute Notfallvorsorge für dich persönlich?
Man kann sich nicht auf alles vorbereiten. Gute Notfallvorsorge bedeutet für mich deshalb vor allem, einen klaren Plan für eine Krisensituation zu haben und die notwendige Ausrüstung nicht nur zu besitzen, sondern sie auch einsatzbereit zur Verfügung zu haben.
Wenn ich mich bereits vorher mit möglichen Situationen beschäftigt habe, weiß ich im Ernstfall besser, was zu tun ist. Das gibt mir Orientierung und hilft mir, auch in einer angespannten Situation ruhiger zu bleiben.
So kann ich mich auf das Wesentliche konzentrieren und überlegt handeln.
3. Viele Menschen verbinden Notfall- und Krisenvorsorge mit Angst oder extremen Szenarien. Welche Haltung möchtest du mit KEPS vermitteln?
Leider ist es noch häufig so, dass Menschen Angst vor möglichen Krisen haben und sich deshalb lieber gar nicht mit ihnen beschäftigen. Für mich ist das nicht der richtige Weg.
Auch der Begriff „Prepper“ hat in der Öffentlichkeit teilweise einen schlechten Ruf. Dazu trägt sicherlich bei, dass Krisenvorsorge manchmal sehr stark mit Angst, Panik oder extremen Szenarien verbunden wird. Genau diesen Weg möchten wir bei KEPS nicht gehen.
Wir möchten den Menschen vielmehr die Angst vor dem Thema nehmen und zeigen, dass eine vernünftige Vorbereitung dabei helfen kann, mit schwierigen Situationen besser umzugehen.
Natürlich kann sich niemand auf jede denkbare Situation vorbereiten. Das muss auch gar nicht das Ziel sein. Entscheidend ist, überhaupt anzufangen.
Jeder kleine Schritt in die richtige Richtung macht uns ein Stück besser vorbereitet.
Für mich ist Vorbereitung deshalb keine Reaktion aus Angst, sondern eine bewusste Entscheidung, Verantwortung für sich selbst und seine Familie zu übernehmen.
4. Was rätst du jemandem, der mit Notfallvorsorge anfangen möchte?
Natürlich könnte ich jetzt sagen: Als Erstes unser persönliches Notfallkonzept kaufen. lacht
Aber im Ernst: Heute hat jeder die Möglichkeit, sich eine Vielzahl von Informationen zur Notfallvorsorge zu beschaffen. Die eigentliche Herausforderung besteht häufig gar nicht darin, Informationen zu finden, sondern daraus einen sinnvollen Plan für die eigene Situation zu entwickeln.
Mein Rat ist deshalb: Nicht versuchen, alles auf einmal zu erledigen. Schauen Sie sich zunächst Ihre persönliche Situation an, überlegen Sie, was für Sie und Ihren Haushalt wirklich wichtig ist, und entwickeln Sie daraus einen Plan.
Und dann setzen Sie diesen Plan Stück für Stück um. Jeden Tag ein bisschen, ohne sich selbst unter Druck zu setzen.
So wächst die eigene Vorsorge nach und nach. Entscheidend ist nicht, an einem Wochenende perfekt vorbereitet zu sein. Entscheidend ist, anzufangen und dranzubleiben.
5. Warum ist Notfallvorsorge so individuell?
Weil die Lebenssituationen der Menschen völlig unterschiedlich sind. Ein Single in einer Stadtwohnung hat andere Voraussetzungen als eine Familie mit Kindern in einem Einfamilienhaus. Ältere Menschen haben möglicherweise andere Bedürfnisse als junge Menschen, und auch Haustiere, gesundheitliche Einschränkungen oder die berufliche Situation können eine Rolle spielen.
Deshalb halte ich wenig davon, jedem Menschen dieselbe Checkliste in die Hand zu drücken und zu sagen: Wenn Sie das alles haben, sind Sie vorbereitet.
Checklisten können eine gute Orientierung sein. Aber sie ersetzen nicht die Auseinandersetzung mit der eigenen Situation.
Am Ende hilft mir nicht die perfekte Checkliste – sondern eine Vorbereitung, die in meiner persönlichen Situation auch wirklich funktioniert.
6. Welche Rolle spielt die richtige Ausrüstung bei der Notfallvorsorge?
Ausrüstung ist natürlich ein wichtiger Bestandteil der Notfallvorsorge. Aber nur etwas zu besitzen, bedeutet noch lange nicht, darauf vorbereitet zu sein.
Ich muss wissen, wofür ich einen Ausrüstungsgegenstand brauche, wie er funktioniert und ob er für meine persönliche Situation überhaupt sinnvoll ist.
Deshalb halte ich auch wenig davon, einfach irgendwelche langen Ausrüstungslisten abzuarbeiten oder Dinge zu kaufen, nur weil sie irgendwo als unverzichtbar bezeichnet werden.
Gute Notfallausrüstung besteht aus Dingen, die ich tatsächlich brauche, die einsatzbereit sind und mit denen ich umgehen kann.
7. Was unterscheidet die Beratung bei KEPS von einer klassischen Checkliste oder einem fertigen Vorsorgeplan?
Wir möchten unseren Kunden nicht einfach sagen, was sie kaufen oder bevorraten sollen. Zunächst geht es darum, die persönliche Situation zu verstehen.
Wie lebt jemand? Wie viele Personen gehören zum Haushalt? Gibt es Kinder, ältere Menschen oder Haustiere? Welche Möglichkeiten zur Lagerung bestehen? Welche Erfahrungen und welche Ausrüstung sind bereits vorhanden?
Auf dieser Grundlage schauen wir gemeinsam, welche Maßnahmen sinnvoll sind und wo möglicherweise noch Lücken bestehen.
Dabei geht es nicht darum, dem Kunden unsere Vorstellung von Vorsorge überzustülpen.
Am Ende soll nicht unser Notfallkonzept entstehen, sondern das Notfallkonzept des Kunden.
8. Gab es einen Moment, in dem du selbst gemerkt hast, wie wichtig eine gute Vorbereitung sein kann?
Ja, beispielsweise zu Beginn der Corona-Pandemie. Damals konnte man sehr gut beobachten, wie schnell sich eine Situation verändern kann.
Viele Menschen waren verunsichert, es kam zu Hamsterkäufen und bestimmte Produkte waren zeitweise nur schwer erhältlich. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt bereits Lebensmittel und andere wichtige Dinge bevorratet.
Das bedeutete nicht, dass wir auf eine Pandemie perfekt vorbereitet waren. Aber wir mussten nicht plötzlich losfahren und versuchen, noch möglichst schnell alles zu bekommen.
Für mich war das ein gutes Beispiel dafür, was Vorsorge bewirken kann: Sie nimmt einem nicht jede Unsicherheit, aber sie kann in einer schwierigen Situation den Druck deutlich reduzieren.
9. Muss gute Notfallvorsorge teuer sein?
Nein. Natürlich kann man sehr viel Geld für Notfallausrüstung ausgeben. Aber eine gute Vorsorge beginnt nicht mit teuren Produkten.
Viele sinnvolle Maßnahmen kosten wenig oder gar nichts. Sich Gedanken über mögliche Situationen zu machen, wichtige Telefonnummern griffbereit zu haben, Dokumente zu ordnen oder gemeinsam mit der Familie zu besprechen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält – all das gehört ebenfalls zur Vorsorge.
Auch beim Aufbau von Vorräten oder bei der Ausrüstung muss nicht alles auf einmal angeschafft werden. Vieles lässt sich Schritt für Schritt aufbauen und an das eigene Budget anpassen.
Nicht möglichst viel zu besitzen ist das Ziel. Entscheidend ist, das Richtige für die eigene Situation zu haben.
10. Welchen Fehler machen Menschen bei der Notfallvorsorge besonders häufig?
Ein häufiger Fehler ist, dass Menschen versuchen, möglichst schnell möglichst viel Ausrüstung zu kaufen, ohne vorher zu überlegen, was sie tatsächlich benötigen.
Dann stehen irgendwann Kisten voller Ausrüstung im Keller, aber niemand weiß genau, was vorhanden ist, wo bestimmte Dinge liegen oder wie sie funktionieren.
Gute Vorsorge bedeutet für mich deshalb auch, den Überblick zu behalten. Ich sollte wissen, welche Vorräte und welche Ausrüstung ich habe, regelmäßig prüfen, ob alles noch einsatzbereit ist, und mich mit wichtigen Geräten auch praktisch beschäftigen.
Ausrüstung hilft mir im Ernstfall nur dann, wenn ich sie finden, einsetzen und richtig benutzen kann.
11. Wo soll KEPS in Zukunft stehen?
Ich wünsche mir, dass KEPS langfristig zu einer bekannten und vertrauenswürdigen Anlaufstelle für Menschen wird, die sich mit Notfallvorsorge beschäftigen möchten.
Dabei geht es mir nicht darum, einfach möglichst viele Produkte zu verkaufen. KEPS soll Wissen vermitteln, Orientierung geben und Menschen dabei unterstützen, ihre persönliche Vorsorge sinnvoll aufzubauen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei unsere Wissensakademie. Dort möchten wir Schritt für Schritt eine umfangreiche Wissensbasis rund um Notfallvorsorge aufbauen.
Mein Wunsch wäre, dass Menschen irgendwann bei einer Frage zur Vorsorge sagen:
„Warte, da schaue ich erst einmal bei KEPS in der Wissensakademie nach.“
12. Wenn du Notfallvorsorge in einem einzigen Satz beschreiben müsstest – welcher wäre das?
„Vorsorge gibt mir Sicherheit.“